Herr Horstmann, der Staat argumentiert ja, dass mit einem Bargeldverbot in erster Linie Kriminalität und Drogenhandel eingedämmt werden können. Stimmen Sie dem zu?

Ulrich Horstmann: Das Argument ist nur vorgeschoben. Denn gerade Kriminelle sind doch die Ersten, die dann auf Alternativen ausweichen. Was hält die denn davon ab, ihre Drogen gegen Gold- und Silbermünzen zu verkaufen? Oder gegen Fremdwährung oder Waffen? Das wachsende Problem der Internet-Kriminalität zeigt, dass die digitalisierte Welt hier ganz neue Chancen bietet. Die Normalbürger sind hier oft hilflose Opfer. Auch unter diesem Aspekt schafft Bargeld Sicherheit.

Was macht das Bargeldverbot denn so gefährlich?

Nun, es schränkt die Freiheitsrechte massiv ein. Ein Bargeldverbot ist ja im Grunde nichts anderes als ein Monopol. Und wenn Sie zum Bezahlen zwangsweise auf eine Bankverbindung angewiesen sind, dann können die Banken natürlich auch die Gebühren dafür nach Belieben festsetzen. Und nicht nur das: Bargeld können die Banken nicht als Kredite verleihen. Wenn es aber nur noch Buchgeld gibt, dann können die Banken ihre Kreditschöpfung noch deutlich ausweiten.

Wie sieht das dann in der Praxis aus?

Ganz einfach: Sie zahlen Negativzinsen, weil Sie durch das Bargeldverbot ja kein Geld mehr abheben können. Und die Bank verdient dabei, indem sie das Geld mit größerem Gewinn an Kreditnehmer verleiht. IHR Geld!

Welche weiteren Einschränkungen drohen uns noch?

Zum Beispiel könnte die Regierung zwangsweise einen „Veggie Day“ für alle einführen. Dann wird per Chipkarte eben ganz einfach an einem bestimmten Tag in der Woche der Kauf von Fleisch blockiert. Oder der Kauf bestimmter Güter wird pro Bürger generell eingeschränkt: Dann können Sie pro Woche nur noch so und so viele Zigaretten oder eine beschränkte Menge an Süßigkeiten oder Alkohol kaufen. Natürlich alles im Namen der Volksgesundheit – und nur zu Ihrem Besten!

Das heißt, der Staat kann die Bürger dann also praktisch fernsteuern ...

Exakt – und zwar bis ins letzte Detail. Dass er nebenbei noch unsere gesamten Konsumgewohnheiten kennt, ist dann schon fast zweitrangig. Ein Bargeldverbot ist eine besonders hinterhältige Form der politischen Korrektheit. Damit können alle bürgerlichen Freiheitsrechte von einer zentralen Regierungsstelle per Mausklick einfach ausgehebelt werden. In wenigen Sekunden!

Das ist in der Tat ein starkes Stück! Können Sie noch weitere Beispiele nennen, wie der Staat seine Bürger damit drangsalieren kann?

Für den Staat ist ein Bargeldverbot extrem bequem. Denn Dinge wie drastische Schuldenschnitte oder Währungsreformen wie 1923 und 1948 werden mit einer Bargeldabschaffung überflüssig.

Wie geht das?

Ganz einfach: Der Staat muss sich dann nicht mehr mit seinen Bürgern politisch über Sinn und Unsinn solcher Geldentwertungen auseinandersetzen. Er drückt sie einfach durch. Dieses ewige Gerangel um einen Schuldenschnitt (wie wir es gerade in Griechenland sehen) gibt es dann nicht mehr. Dann gibt es nicht nur vereinzelte, sondern nur noch permanente, aber gewünscht unauffällige Schuldenschnitte. Als Nächstes dann die Besteuerung: Die wird für den Staat natürlich ebenfalls viel leichter. Es wird einfach bequem bei jeder Transaktion ein Betrag abgebucht, den der Staat beliebig festsetzen (und erhöhen!) kann. Ausweichen oder Widerspruch zwecklos!

Und wenn man sich dem Konsum weitgehend verweigert?

Geht auch nicht! Denn dafür sorgen die Negativzinsen, mit denen Ihr Guthaben belegt wird. Entweder Sie geben Ihr Geld aus ... oder es schrumpft von alleine. Dann haben Sie eben gar keine Gegenleistung – und haben umsonst dafür geschuftet. Mein Mitautor Gerald Mann nannte das Bargeldverbot daher auch eine „Konsum-Verweigerungssteuer“.

Kann man dem Bargeldverbot wenigstens mit Edelmetallen ausweichen?

Nur so lange, bis der Staat dieses Loch ebenfalls stopft. Denn auch Gold und Silber können natürlich hoch besteuert oder gleich ganz verboten werden. Und wenn jeder Gold- und Silberkauf sowieso elektronisch erfasst wird, dann hat der Staat handstreichartig auch gleich noch die volle Kontrolle über Ihre tatsächlichen Edelmetall-Bestände.

Also heißt das, dass eine Petition gegen ein Bargeldverbot die letzte Alternative ist?

Nicht die Letzte, sondern womöglich die ALLER-letzte! Ein Bargeldverbot ist vielleicht sogar noch schlimmer als sämtliche Spionage der Geheimdienste. Denken Sie immer daran: Heute sind alle technischen Möglichkeiten vorhanden, um sämtliche Geldflüsse zu steuern und zu überwachen.